Donnerstag, 12. November 2015

Rebekka Knoll: Geliebte Angst



Emilias erste große Liebe Marico hatte einen tödlichen Autounfall. Doch nur wenige Tage nach der Beerdigung erhält sie plötzlich eine Facebook-Nachricht von ihm. Es folgen viele weitere, auch per SMS. Ist das ein Geist? Ist Marico gar nicht tot? Oder steckt irgendein anderer dahinter, der Emilia einen bösen Streich spielt? Gemeinsam mit ihren beiden besten Freundinnen macht sie sich auf die Suche und deckt dabei einige Geheimnisse auf.

Geliebte Angst ist ein raffiniert aufgebauter Thriller, der sehr geschickt mit den Lesererwartungen spielt, immer wieder falsche Fährten auslegt und die beklemmende Situation Emilias gut verdeutlicht. Immer wieder werden Passagen aus der Ich-Perspektive eingeflochten, die offensichtlich vom „Täter“ stammen – also von demjenigen, der Emilia in Maricos Namen all diese Nachrichten schickt –, doch es wird nicht zu viel preisgegeben. Selbst die Möglichkeit, dass Marico als Geist auf Erden wandelt, scheint nicht völlig ausgeschlossen zu sein. Das ist spannend und macht neugierig.

Sprachlich ist Geliebte Angst allerdings keine große Offenbarung. Der Erzählstil ist sehr schlicht, stellenweise etwas behäbig, lässt jede Raffinesse vermissen und scheint sich an ein sehr junges, wenig anspruchsvolles Lesepublikum zu wenden. Dass Rebekka Knoll pausenlos die Zeitformen durcheinanderbringt, wird da kaum auffallen.

Für die Figurenzeichnung würde ich dem Roman, wenn ich Schulnoten vergeben müsste, eine knappe Drei zugestehen. Es gibt einige Ansätze, den Charakteren Tiefe und Dreidimensionalität zu verleihen, die allerdings größtenteils behauptet und weniger tatsächlich gezeigt werden. Keine der drei Freundinnen, die immerhin die Hauptfiguren dieses Romans bilden, konnte ich mir gut genug vorstellen, um mir ein Bild vor Augen zu rufen.

Noch etwas schwächer ist die psychologische Glaubwürdigkeit ausgefallen. Dass Emilia sich von ihrem geheimnisvollen SMS-Partner so widerspruchslos manipulieren lässt, fand ich äußerst schwer nachvollziehbar. Sie folgt all seinen rätselhaften Anweisungen sofort und ohne zu zögern, obwohl viele davon durchaus grenzüberschreitend sind. Auch die Auflösung des großen Geheimnisses, die ich hier nicht vorwegnehmen möchte, hat für mich einige logische Schwächen. Denn alles basiert darauf, dass Emilia einen offenbar recht bedeutsamen Abschnitt ihrer Kindheit vollständig vergessen hat – und für eine gesunde Achtzehnjährige wäre das schon sehr ungewöhnlich.

Gleichwohl wird Geliebte Angst wohl speziell junge weibliche Vielleserinnen ansprechen, die weniger Wert auf literarische Qualität als auf einen spannenden Plot legen und gerne Parallelen zu ihrer eigenen Erlebniswelt finden. Sie werden mit diesem Roman sicher auf ihre Kosten kommen.

Rebekka Knoll: Geliebte Angst, cbt (2015), 9,99 Euro

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