Montag, 23. November 2015

Wire: Die Lebensretter live im PBHF-Club



Nein, ich bin wirklich kein Nostalgiker, und alternde Rockstars auf der Bühne zu sehen ist mir keinerlei Bedürfnis. Aber zu jeder Regel gibt es eine Ausnahme. Wire ist meine.

Die britische Post-Punk-Truppe brachte ihr erstes Album 1977 auf den Markt und ist seither ununterbrochen aktiv. Erst in diesem Jahr erschien ihre selbst betitelte Platte Wire. (Irgendwie witzig, so eine Namensgebung nach fast 40 Jahren Bandgeschichte – hier kann man sie sich übrigens in voller Länge anhören, legal natürlich.) Und die vier Herren gehen auch nach wie vor auf Tour.



Graham Lewis (Bass), Colin Newman (Gitarre und Vocals) und Robert Grey (Schlagzeug) gehören noch zu den Männern der ersten Stunde. Neu hinzugekommen ist Matthew Simms (Gitarre), der möglicherweise nur halb so alt ist wie seine drei Kollegen, dafür aber entschieden mehr Haare hat.

Simms ist auch der Einzige, der mit einem verzückten Lächeln auf der Bühne steht, während die drei Senioren dezent griesgrämig erkennen lassen, dass sie alles – wirklich alles! – schon mal gesehen haben.

Schlechte Laune verbreiten sie dabei aber keineswegs, denn sie machen einfach großartige Musik, auch live. Bei ihrem Konzert im BerlinerPostbahnhof war alles mit dabei: die superkurzen Punk-Klassiker, die den Saal zum Pogotanzen brachten, die hypnotischen langen Soundteppiche wie beispielsweise Boiling Boy und natürlich auch ein paar Highlights des jüngsten Albums, allen voran Joust & Jostle.


Zum Ende hin wurde es dann richtig laut. Mir klingelt noch jetzt das rechte Ohr, aber Wire verzeihe ich jede Körperverletzung. Zudem war es hübsch anzusehen, wie Matthew Simms neue experimentelle Wege des Gitarrenspiels beschritt, unter anderem auch indem er sein Instrument mit der Vorderseite gegen die Lautsprecherbox drückte.


Kleiner Minuspunkt war der nicht ganz perfekt abgemischte Sound: Colin Newmans unverwechselbare Stimme, die immer noch genauso jung klingt wie vor 35 Jahren, war leider nicht allzu gut zu hören. Der Atmosphäre im gut besuchten PBHF-Club schadete das aber nicht.


Ach, und warum nun das Wort „Lebensretter“ im Titel? Na, deshalb!

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