Samstag, 29. Oktober 2016

Die Gewinnerin des Schreibwettbewerbs von tolino media und Carlsen im Interview

Geschwister? Nein. Gewinnerinnen? Ja!
Das eigene Manuskript als gedrucktes Buch, Verlagsvertrag inklusive - eine verlockende Perspektive für viele Nachwuchsautor(inn)en. tolino media und der Carlsen Verlag boten diese Belohnung für den Gewinner ihres im Dezember 2015 gestarteten Schreibwettbewerbs. Voraussetzung war die Einsendung eines Jugend- oder All-Age-Romanmanuskripts. 

Die Beteiligung war mit knapp 200 Einreichungen überraschend gering. 31 Manuskripte wurden von der Jury in die Longlist gewählt, 10 in die Shortlist. Damit waren auch die drei männlichen Autoren, die es zumindest noch in die erste Auswahl geschafft hatten, endgültig aus dem Rennen. 

Nun musste die Entscheidung zwischen zehn jungen Autorinnen gefällt werden, die sich in der Mehrzahl für englischsprachige Romantitel entschieden hatten.


Dies trifft auch auf die drei Gewinnerinnen zu. Jeweils eine E-Book-Veröffentlichung erhalten Anna Savas für Forbidden Love und Kathrin Wandres für In Between.

Der Hauptpreis ging an Laura Kuhns Manuskript We could be heroes. Die 20-jährige Preisträgerin beantwortete mir im Interview einige Fragen.

Für diesen Wettbewerb musste ja ein komplettes unveröffentlichtes Romanmanuskript eingereicht werden. Nicht jeder hat so was zu Hause rumliegen … Wie war das bei dir?

Ich hatte es tatsächlich zu Hause rumliegen. Geschrieben habe ich den Roman vor ungefähr drei Jahren, für mich. Irgendwann hatte ich so viel Zeit und
Aufwand in die Überarbeitung gesteckt, dass ich ihn nicht mehr nur für mich behalten wollte, und genau in dem Moment bin ich über den Wettbewerb gestolpert. Es hat einfach gepasst.

Hast du beruflich auch mit Büchern zu tun?


Momentan mache ich eine Ausbildung zur Buchhändlerin. Was danach dran ist, weiß ich noch nicht, aber es würde mir sehr gefallen, im Lektorat eines Verlages zu arbeiten. Sollte ich mal studieren, dann wird es wohl Germanistik werden.

Welchen Stellenwert hat das Schreiben für dich?

Ich plane keine Zeiten ein, in denen ich schreibe, das passiert einfach. Das Schreiben hat für mich einen sehr hohen Stellenwert, da es mein Weg ist, mich mit mir auseinanderzusetzen und etwas loszuwerden, was sich auf keine andere Art loswerden lässt. Ich erinnere mich an ein Mal, als ich auf dem Bahnsteig saß und die Rückseite des Konzerttickets vollkritzeln musste. Das sind die Momente,
in denen die für mich am echtesten und wichtigsten Texte entstehen.

Ich glaube, man kann aus allem, was einem passiert, etwas lernen oder etwas mitnehmen. Besonders aus Dingen und Begegnungen, die einem fremd sind und vielleicht sogar Angst machen oder Desinteresse wecken, das sind oft Dinge, aus denen ich persönlich am meisten lernen kann.

Bist du Autodidaktin? Engagierst du dich in Autorennetzwerken?


Mit dem Schreiben an sich habe ich mich abgesehen vom Schulunterricht nie auseinandergesetzt, und ich engagiere mich auch in keinen Netzwerken. Aber durch das Lesen ganz unterschiedlicher Werke anderer Leute kriege ich immer mehr eine Ahnung davon, was man mit Texten alles machen kann.

Kannst du den Inhalt von We could be Heroes kurz zusammenfassen?


Es ist nicht einfach, herauszufinden, wer man ist, und das Wichtigste im eigenen Leben vor Veränderung zu schützen. Das erfährt Lou, als ihre beste Freundin Natalie von ihren Gefühlen für sie erfährt und die vertraute und starke Freundschaft zwischen ihnen daran zu zerbrechen droht. Lou nutzt die nächste sich bietende Chance, um dem Konflikt zu entgehen.

Doch Lou entkommt dem Chaos in ihr nicht. Sie begegnet dem schönsten Mädchen der Welt, und langsam kommt der Mut in ihr auf, sich endlich sich selbst zu stellen. Doch da scheint plötzlich auch die tiefe Beziehung zu ihrem Bruder Tom gefährdet, und Lou muss sich fragen, was wichtiger ist: Tom
 oder sich selbst endlich so annehmen zu können, wie sie ist?

Mitsamt der Jury: Strahlen für die Presse



War das ein Thema, das dir lange am Herzen lag?


In dem Roman steckt sehr viel Persönliches, und viele Erfahrungen habe ich genau so gemacht, unter anderen Umständen. Mir ist es sehr wichtig, dass es
immer Bücher geben wird, die davon erzählen, wie es ist, Angst vor den eigenen Gefühlen zu haben und sich selbst fremd zu sein. Ich glaube auch, dass das auf unterschiedliche Art und Weise etwas ist, das wir alle kennen.

Hast du noch weitere (Roman-)Projekte in Arbeit oder sogar schon fertig?


We could be heroes ist bis jetzt mein einziger Roman, und so richtig angefangen habe ich keinen weiteren. Aber ich weiß selbst nicht, ob nicht morgen oder in zwei Wochen oder in einem halben Jahr der nächste Blitz einschlägt und ich wieder über den Kurztext hinausschreibe.



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