25th Antaris Project - ein persönlicher Rückblick



Das 25. Antaris-Festival ist vorüber – zum fünfundzwanzigsten Mal kamen Menschen aus aller Welt zusammen, um miteinander friedlich und entspannt zu feiern, und auch diesmal ist der Plan wieder aufgegangen. Kein Goa-Festival in unseren Breitengraden kann auf eine so lange Tradition zurückblicken, und das ist vielleicht ein guter Zeitpunkt, um die Geschichte noch mal Revue passieren zu lassen.



Bei meiner allerersten Begegnung mit der Antaris im Jahr 2002 war das Festival bereits aus den Kinderschuhen heraus. Nicht jedoch meine Tochter und ihre beiden Cousinen, vier, fünf und sieben Jahre alt, mit denen wir einen Ausflug unternommen hatten. Auf dem Heimweg entdeckten wir ein handgemaltes Schild in bunten Neonfarben: „Antaris“. Meine Neugier war geweckt. Ich steuerte das Auto mit vier Erwachsenen und drei kleinen Mädchen den staubigen Feldweg entlang.


Es war Sonntag, es war später Nachmittag – das Festival näherte sich bereits dem Ende. Eintritt wurde nicht mehr verlangt. Trotzdem lief noch Musik, und ein paar Unentwegte tanzten mit ungebremster Energie. Ringsum lagerten Menschen aller Altersgruppen vor ihren Zelten, lachten, spielten, genossen die Sonne und freuten sich über den unerwarteten Besuch der beiden bürgerlichen Familien, die da in Sonntagskleidung und mit großen staunenden Augen über den Platz wanderten. Sie boten uns Kekse und Getränke an.


Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich bereits seit einigen Jahren mit Techno beschäftigt, aber was immer ich auch hörte, mir schien immer etwas Entscheidendes zu fehlen. Ich war oft auf Techno-Plattformen unterwegs, von denen ich mir Musik herunterladen konnte. Das Elektronische, die Beats, die Bässe trafen einen Nerv, aber irgendwie hatte der Funke noch nicht gezündet.

Das geschah erst an diesem Sonntagnachmittag auf meiner ersten Antaris, bei meiner ersten Begegnung mit Psytrance. Der Hebel legte sich um. Ich hatte gefunden, wonach ich so lange suchte. Ich wurde von der Musik emporgehoben, herumgewirbelt, aufgewühlt, getragen, mitgerissen – und nie wieder losgelassen.


Doch nicht nur die Musik, sondern auch die Atmosphäre war für mich ein Erweckungserlebnis. Die lebensfrohen Farben, die Energie, der Frieden, der freundliche Umgang miteinander, die Lust am Bewegen, am Zeigen, am Schauen – und das alles mitten in der unermesslichen märkischen Weite, deren Himmelsblau sich über den Platz spannte wie eine schützende Kuppel über eine heilige Kultstätte.



Ich hatte meinen Ort gefunden.

Heute ist meine Tochter einundzwanzig und kann sich genau wie ich ein Leben ohne Antaris nicht mehr vorstellen. Jedes Jahr reisen wir gemeinsam mit unseren Freunden an – der Altersunterschied hat dabei keinerlei Bedeutung. Immer sind ein oder zwei „Novizen“ dabei, die wir ein bisschen zum Mitkommen überreden mussten. Keiner war je enttäuscht; die meisten werden wie wir zu Stammgästen.


Das Antaris-Konzept trägt über Generationen, über Bildungsschichten, Herkunft, Religionen hinweg, es vereint, was außerhalb des Festivalgeländes keinerlei Gemeinsamkeiten zu haben scheint. Ich habe in all den Jahren zwar sengende Hitze, Schlammschlachten, Autopannen, Insektenstiche und verlorene Schlüssel erlebt, aber niemals auch nur einen Hauch von Gewalt. „Against War, for Friendship, Peace & Freedom“ – das ist nicht nur ein werbewirksamer Spruch, sondern es wird hier gelebt und zelebriert.


Die Antaris hat mein Leben verändert und bereichert. Antaris ist ein Glücksgefühl, ein Gemeinschaftserlebnis, eine spirituelle Erfahrung, eine kosmische Verknüpfung. Antaris ist der Kraftquell für die 361 restlichen Tage des Jahres.


Mein Dank geht an alle, die mich in diesen Jahren zur oder auf der Antaris begleitet haben, an all die skurrilen, humorvollen und warmherzigen Menschen, denen ich dort begegnet bin, an die Unterstützer und Ermöglicher, die Brunnen bohren, Schilder malen, Leitungen verlegen, Dixiklos reinigen, Zäune aufstellen und verstauchte Knöchel kühlen, an die unermüdlichen Caterer, die bei jedem Wetter Nahrung und Getränke bereitstellen, an die DJs, ohne deren Musik das Raumschiff nicht abheben könnte, an die Künstler, die für Licht und Farbe sorgen –


und natürlich an Uwe Siebert, der seit einem Vierteljahrhundert für mich und Tausende andere alljährlich ein paar Tage lang die Utopie des Friedens zur Realität macht.






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