Mittwoch, 14. November 2018

Bildung statt Besitz: Antaris-Veranstalter Uwe Siebert




Wenn der Antaris-Veranstalter Uwe Siebert auf Reisen geht, nimmt er immer gerne ein bisschen mehr Bargeld mit – für alle Fälle. „Vielleicht fällt mir ja etwas besonders Schönes vor die Füße, zu dem ich nicht nein sagen kann.“ Einmal konnte er mit diesem Budget auch einen Freund freikaufen, der während seines DJ-Auftritts von der Polizei verhaftet worden war.

Vor drei Jahren zog es Uwe in den Senegal, denn dort lebt die kleine Nala, die er durch eine monatliche Patenspende in Höhe von 50 Euro bis zu ihrem achtzehnten Lebensjahr finanziell unterstützt.


(c) Uwe Siebert

Im Gepäck hatte er unter anderem eine Taschenlampe mit Handkurbel, ein französischsprachiges Buch über das Münsterland – seine Heimat – sowie diverse andere kleine Geschenke. Seine Mitbringsel stießen bei den Bewohnern des Dorfes in der Nähe von Thiès auf so viel Begeisterung, dass er gleich am nächsten Tag in die Stadt fuhr, um Obst, Reis und Gemüse für alle einzukaufen.

(c) Uwe Siebert

Voller Stolz nahm die siebenjährige Nala, die sich mit der ganzen Familie ein Bett in einer Lehmhütte teilt, ihren Patenonkel mit zur Schule. „Ich hab die Zustände gesehen und Zustände gekriegt“, berichtet Uwe erschüttert. „Es fehlte an allem.“

(c) Uwe Siebert

Erneut fuhr er los und packte den Jeep voll: kartonweise Kreide, Blei- und Buntstifte, Malblöcke, Schreibhefte, Kinderbücher für verschiedene Altersstufen als Grundstock für eine Schulbibliothek, Bälle, Springseile, Saatgut für den Schulgarten und Hygieneartikel.

Mit einem dreistelligen Betrag ermöglichte Uwe einer Schülerin die Gebissoperation. Einem besonders aufgeweckten Vierzehnjährigen finanzierte er einen Englischlehrgang an einer Privatschule, um ihm bessere berufliche Chancen in der Gastronomie zu verschaffen.

Das mitgebrachte Bargeld war anschließend fast vollständig aufgebraucht. „Mir hat nicht ein Euro wehgetan“, sagt der Antaris-Gründer. „Im Gegenteil. Ich fühlte mich wie befreit, wie auf Wolke sieben.“


(c) Uwe Siebert

Die muslimischen Bewohner des Dorfes zeigten ihre Dankbarkeit auf jede nur erdenkliche Weise und baten Uwe, zum Abschied eine Rede zu halten. „Ich wusste erst nicht so richtig, was ich sagen sollte – ich bin ja Christ.“ Doch dann verwies der Antaris-Organisator darauf, dass es für alle Menschen nur einen Gott gebe, ganz gleich, wie man Ihn nenne, und wenn es Sein Wille sei, so werde Uwe noch einmal in das Heimatdorf seines Patenkindes zurückkehren. „Ich brauche ein bisschen Glück mit meinen Veranstaltungen, dann komme ich wieder.“ Die Männer versprachen, für dieses Glück zu beten.

(c) Uwe Siebert

Ein bisschen weltliche Mitwirkung gehört aber natürlich auch dazu. Kommendes Jahr will Uwe erneut in den Senegal reisen, und er hat ehrgeizige Pläne: Die Erlöse aus der Jubiläums-Anthologie „Antaris-Highlights“ sollen in die Erweiterung der Schulbibliothek sowie in ein Solardach für das Schulgebäude fließen, über das die Lehrer ihre Mobiltelefone aufladen können. Eine langfristige Investition in die Bildung für Nala und ihr gesamtes Dorf! 

Montag, 12. November 2018

Antaris-Highlights: Write & Dance!

Hier findet ihr den offiziellen Trailer zu unserem Antaris-Highlights-Schreibwettbewerb:



Alle näheren Informationen könnt ihr hier noch mal nachlesen. Wir wünschen euch Inspiration und viel Glück!

Freitag, 7. September 2018

Schlaflos im Ellington

Abend in der fremden Stadt - und wieder mal nichts im Fernsehen

Was macht ein Hotelgast am Abend, den das Fernsehprogramm langweilt, der sein Lifestyle-Magazin im Flugzeug vergessen hat und dem die Lektüre der Bibel ein allzu anspruchsvolles Vorhaben zu sein scheint?

Diese Frage stellten sich im Auftrag des Berliner Ellington Hotels auch Heiko und Manuela Mehnert von der Marketingagentur brand campus. Bei einem Sonntagsspaziergang kam ihnen die zündende Idee: ein Büchlein mit frischen, originellen Kurzgeschichten und passenden Illustrationen soll den Gast bis zum Einschlafen aufs Angenehmste unterhalten. Falls die Zeit nicht für alle Geschichten reicht oder der Hotelgast noch ein Mitbringsel für die Daheimgebliebenen benötigt, kann er das Buch an der Rezeption kaufen.

„Schlaflos im Ellington“ weist aber noch zwei weitere Vorzüge auf. Zum einen geht ein Teil des Verkaufserlöses an die Berliner Tafel, die rund 125.000 Bedürftige jährlich mit geretteten Lebensmitteln versorgt. Zum anderen werden durch die Ausschreibung junge und weniger bekannte AutorInnen gefördert, die hier die Chance auf eine (erste) Veröffentlichung bekommen. 

Soeben ist der vierte Band dieser Erfolgsreihe erschienen. Aus 120 Einsendungen haben die JurorInnen sieben Texte dafür ausgewählt.

Heiko Mehnert, der auch zur Jury gehörte, führte souverän durch die feierliche Buchpräsentation im Ellington Hotel und stellte drei der Gewinnerinnen vor, die Auszüge aus ihren Kurzgeschichten vorlasen. 

Gut vorbereitet: Heiko Mehnert präsentiert die Gewinnerin Gabi Röhr

Den Auftakt machte die Ghostwriterin und Bloggerin Martina Conradt mit „Ausgeträumt“. Eine Frau mittleren Alters, allein in einer fremden Stadt, beschließt spontan, sich – ganz entgegen ihren Gewohnheiten – ins Nachtleben zu stürzen. In einem Club lernt sie einen gut zwanzig Jahre jüngeren, attraktiven Mann kennen, dessen nette Komplimente ihr etwas eingetrocknetes Selbstbewusstsein wieder zum Erblühen bringen. 

Kriegen sie sich oder nicht? Martina Conradt

Das ist kurzweilig beschrieben und bleibt spannend: Wird das nun was mit den beiden? Oder ist der Mann im Karohemd ein gewissenloser Manipulator auf der Suche nach einem gutgläubigen Opfer?

Gabi Röhr arbeitet im Hauptberuf für einen Telekommunikationsanbieter und ist mit anderen Berliner Schreibenden gut vernetzt. „Müssen es Männer mit Flügeln sein?“ – diese Frage stellt sich einer total gestressten Ehefrau, die sich mitten in den hektischen Festvorbereitungen aus ihrer Wohnung ausschließt und den Heiligabend bei ihrer alten Nachbarin verbringen muss, bis ihr Mann nach Hause kommt. Dort begegnet sie dem Afrikaner Joseph und der Punkgöre Sternchen, für die ein Fest eher Entspannung und Gemeinsamkeit bedeutet als Stress und Perfektionismus.

Geflügelte Worte: Gabi Röhr

Bildhaft und farbig schildert Gabi Röhr, wie die inneren Blockaden der Ich-Erzählerin ganz allmählich ins Wanken geraten und sie der Weihnachtsbotschaft auf die Spur kommt.  

„Das Blau des freien Himmels“ heißt die Kurzgeschichte der Verwaltungsangestellten und dreifachen Mutter Susann Obando Amendt, in der Teenager Jonas von Mitschülern abgezogen wird, den Brief eines syrischen Flüchtlings im Gebüsch findet und von seiner allein erziehenden Mutter zwar bekocht und beschenkt, aber nicht verstanden wird. 

Hat schon bei einem Märchen-Schreibwettbewerb gewonnen: Susann Obando Amendt

Die Autorin hat Themen wie Mobbing, Flüchtlingsschicksal und Wohlstandsverwahrlosung aufgegriffen, die Betroffenheit auslösen sollten, doch fehlt der rote Faden, der die Themen miteinander verknüpft und eine Entwicklung in Gang bringt. Die Figuren bleiben im Klischee verhaftet.

Zwei weitere Auszüge aus den im vierten Band von „Schlaflos im Ellington“ veröffentlichten Kurzgeschichten wurden nicht von den Verfasserinnen selbst, sondern von Mitgliedern der Jury vorgelesen.

Der Autor und Journalist Bernd Oertwig präsentierte „Neue Kunst im alten Gewand“ von Claudia Jüngling. 

Gespür für den richtigen Stil: Jurymitglied Bernd Oertwig

Humorvoll und mit viel Fachwissen gewürzt wird hier die Geschichte einer Restauratorin erzählt, die der Versuchung nicht widerstehen kann, Kunstwerke zu fälschen.

Heiko Mehnert beendete den Geschichtenreigen mit „Verbotene Liebe“ von Sarah Drews: Die schwangere Anja wird in einem präparierten Auto aus der DDR in den Westen geschmuggelt – und muss sich aus Sicherheitsgründen zuvor in Benzin tränken.

Frisch aus der Druckerei: Schlaflos im Ellington 4 in den Händen von Heiko Mehnert

Ob die Flucht gelingt, blieb offen – gelungen war jedenfalls die Veranstaltung im Ellington Hotel, die in lockerer Runde bei einem Aperitif im Sommergarten ausklang.



Dienstag, 17. Juli 2018

Vorbei, doch nicht vergessen: Antaris 2018



Ist er euch auch so schwer gefallen, dieser letzte Blick zurück, als ihr das Festivalgelände der Antaris endgültig verlassen und euch auf den Heimweg machen musstet? Ein langes Wochenende voller neuer Bilder, Klänge, Begegnungen, Erfahrungen und Freundschaften liegt hinter uns, und wieder einmal kommt es uns so vor, als sei es das beste unseres Lebens gewesen.










































 
Hunderte fleißige Helfer haben dazu beigetragen, haben aufgebaut, dekoriert, abgemischt, gekocht, beschützt, gerettet, aufgelegt, geputzt und organisiert.



Chicago 1200 Mics





Ace Ventura




Astrix





















Und das alles, damit wir vier Tage und drei Nächte lang ausgelassen feiern, tanzen und genießen konnten.

Laugh & Dance 2018 – wir sind voller Freude und Dankbarkeit!




Was habt ihr in diesem Jahr erlebt? Welche Erinnerungen sind eure schönsten? Macht eine witzige, berührende oder spannende Geschichte daraus und nehmt teil an unserem Antaris-Highlights-Schreibwettbewerb!

Artwork by Liquid Eye